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Junger Rabe
In uralter Zeit lebte an der Mulde, wo sich heute
die stolze Rochsburg erhebt ein germanischer Jüngling. Er wurde „Rabe“ oder „Junger Rabe“ genannt, bei den germanischen Stämmen war es nicht unüblich seinen Kindern Tiernamen zu geben. Er war bei allen beliebt,
kräftig und klug
Doch dann geschah es, er der „junge Rabe“ schlug im Streit einen anderen Jungen nieder. In der Meinung, dass dieser tot sei floh er.
Tagelang irrte er in den unermesslichen Wäldern, welche unsere Gegend in jener Zeit überzogen, umher. Das Quellwasser stillte seinen Durst, die Eier der Vögel und die Früchte und Wurzeln des Waldes seinen
Hunger.
So kam er auf die Höhe des Totensteins. In der Totensteinhöhle legte er sich auf Moos und Laub zum Schlafen nieder. Da weckte ihn
plötzlich ein Stimmengewirr und Lichterschein. Im hinteren Teil der Höhle sah er einige Fremde die beim brennenden Kienspan ein goldenes Kreuz bewunderten, das der eine von ihnen in der Hand hielt. Im nu hatte der
„Junge Rabe“ die Lage erfasst, wusste das müssen Räuber sein. Mit seinen starken Armen entriss er dem Dieb die Beute. Die Räuber nahmen reisaus.
Bei ersten Morgengrauen verließ er den unheimlichen Ort mit dem erbeuteten Schatz. Er wandte sich nach Osten. Am Waldrande traf er auf
einen Mönch, der einsam unter einer Linde saß. Dieser erzählte ihm, dass kostbare Kreuz sei aus dem neugegründeten Meisner Dome, von gemeinen Räuber geraubt worden und eine Hohe Belohnung erwarte
denjenigen der es zurückbringe. „Junger Rabe“ brachte das wertvolle Kreuz zurück. Da wurde ihm sein Vergehen vergeben, zumal jener todgeglaubte Junge mit dem Leben davon gekommen war.
In der Nähe der Linde wo er den Mönch getroffen hatte, erbaute sich „Junger Rabe“ eine Holzburg. Seine Enkel und Urenkel bauten später
ihrer Stelle eine mächtige Burg aus Stein und nannten sie nach dem Ahnen ihres Geschlechts „Rabenstein“.
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Die Weiße Frau von Rabenstein
Es war zur Zeit der großen Kreuzzüge. Viele gläubige Ritter zogen damals in ihren glänzenden Rüstungen auf gepanzerten Pferden ins ferne Morgenland, um mit dem
Schwerte in der starken Faust den verhassten Heiden die Herrschaft über Jerusalem und das ganze Heilige Land zu entreißen.
Aber auch böse finstere Raubritter gab es damals in den deutschen Landen. Durch eigene Faulheit und ständigen Krieg mit den Rittern ihrer
Nachbarschaft waren sie verarmt. Ihre Felder lagen brach. Ihr Vieh war verwahrlost. Das, was sie zum Leben auf ihren Raubritterburgen brauchten, verschafften sie sich dadurch, daß sie Kaufleute, die auf großen Wagen
die Waren ferner Länder nach ihrer Heimatstadt bringen wollten, überfielen, beraubten und töteten oder gefangen nahmen.
Genau um diese Zeit wohnte auf der Burg Rabenstein ein Ritter mit Frau und Dienerschaft. Er hatte eine einzige Tochter. Sie war der Stolz
und die Freude aller. Glockenhell klang ihr Lachen durch die Burg und den Park. Und keine Schönere gab’s im ganzen Lande als das Burgfräulein von Rabenstein. Von weit und breit kamen die jungen Ritter und begehrten
sie zur Gemahlin.
Zwei Ritter betrieben ihre Bewerbungen besonders eifrig. Das waren die Herren von Waldenburg und von Neukirchen. Von dem Neukirchener
mochte das Burgfräulein nichts wissen. Er war ein aufbrausender, jähzorniger Mann Ein Gerücht erzählte sogar von ihm, daß er bisweilen auf nächtliche Raubzüge gänge und harmlose Handelsleute überfiehle. Da er jedoch
oft mit dem Rabensteiner Ritter ausgiebig feierte und trank, hätte dieser ihn ganz gern als Schwiegersohn gesehen. Die schöne Rabensteinerin aber liebte den Waldenburger Ritter von ganzem Herzen , freilich gegen den
ausdrücklichen Willen ihres Vaters. Nachdem aber einiges über das Nächtliche treiben des Neukirchners zu Tage gekommen war. gelang es Mutter und Tochter mit vereinten Bitten, seinen Widerstand zu brechen.
Der ehrliche Burgherr von Rabenstein machte seinem Trinkkumpane gegenüber auch gar kein Hehl aus seiner veränderten Meinung.Da kannte die
Wut des Neukirchners keine Grenzen. Er schwor Rache. Auf gemeine, hinterlistige Weise bemächtigte es sich des Waldenburgers, ließ ihn auf seine Neukirchner Burg schleppen, ins Burgverließ werfen und dort jämmerlich
umkommen. Aber sein Rachedurst war noch nicht gestillt. Mit all seinen Räubergesindel brach er von Neukirchen auf und rückte nach Rabenstein, um die Burg zu belagern.
Dort sah es jetzt nicht mehr aus wie zu Beginn unserer Erzählung: Das schöne Burgfräulein hatte das Lachen gänzlich verlernt. Es weinte
sich die Äuglein rot, nicht nur um ihren Geliebten. Auch die Schlossherrin, ihre Mutter war gestorben. Die Sorge um die Zukunft ihrer einzigen Tochter, der Gram über die häufigen harten Worte ihres Mannes, und über
das grausame Schicksal des Waldenburger Ritters hatten sie ins Grab gebracht. Sie lag schon einige Wochen unter dem grünen Rasen, nahe der alten Burgkapelle dort, wo heute die Mondscheinlinde steht. Das arme
verwaiste Burgfräulein aß und trank nichtmehr. Es saß von früh bis abends am Grabe der Mutter und weinte. Da - der Turmwächter stößt ins Horn: Feinde!" Feinde!" Kommandorufe erklingen, und die Ketten
der Zugbrücke rasseln. Die Brücke wird hochgezogen. Da schwirren auch schon die ersten Pfeile durch die Luft. Doch die Burgmannen sind der Neukirchner Übermacht nicht gewachsen. Mit Reissig und Stroh füllt der Feind
an einigen Stellen den Wallgraben aus und ersteigt den Wall. Der Kampf wogt weiter bis in die Dämmerung hinein. - Horch! Kettengerassel! Richtig: Die Zugbrücke senkt sich. Jetzt, schöne Rabensteinerin, wehe dir! Der
Erste, der auf die Brücke springt, ist der Neukirchner, seine Mannen mit Sieggeschrei hinter ihm her. Doch, was ist das? Das Streitross des Neukirchner Siegers bäumt sich. Das Freudengeschrei verstummt plötzlich.
Alles steht wie gebannt. Aller Augen sind, weit aufgerissen, nach der Mitte der Zugbrücke gerichtet. Ein Schauer geht durch die kampfgewohnte Schar der Raubritter: Auf der Brücke, unmittelbar vor dem Neukirchner
Ritter, steht eine weiße Gestalt, die die Knochenhand nach dem Zügel des Ritterrosses erhebt. Der Reiter drückt ihm die Sporen in die Weichen. Da springt es zur Seite und schleudert seinen Herrn aus dem Sattel. Der
stürzt hinab in den Burggraben. Mit gebrochenem Genick bleibt er liegen. Das Pferd aber wendet sich, und in wildem Laufe geht es durch, zurück den Weg, den es kam, - und hinter ihm her die Scharr der Neukirchner
Räuber. Sie schreien „Die weiße Frau!" Die weiße Frau!" rette sich wer kann. Die weiße Gestalt hat sich - nach ihrer Überzeugung - an ihre Fersen geheftet. Noch kurz vor Neukirchen soll sie hinter ihnen im
Abenddunkel wahrzunehmen gewesen sein. - So rächte der Geist der verstorbenen Schlossherrin die Untaten des Neukirchners.
Und was wurde aus dem armen lieben Burgfräulein? Schon geschwächt durch den Tot ihrer Liebsten, hatte das Kampfgetöse sie zu sehr in
Aufregung gebracht. Nach dem fluchtartigen Abzuge der Feinde hatte sie sich todesmatt an ihr Lieblingsplätzchen geschleppt, an das Grab ihrer Mutter. Dort fand sie auch ihren Vater. Mit matter Stimme noch bittet sie
Laß mich hier, bei meiner Mama, den langen Schlaft tun. Und hole mir meinen toten Herzallerliebsten aus dem Neukirchner Hungerturme, und vereine uns wenigstens im Tode". Noch ein letzter Seufzer - und ein
junges Leben, voll von Enttäuschungen, hat geendet. Der Ritter erfüllte seiner Tochter die letzten Wünsche. Eine junge Linde pflanzte er auf das dreifache Grab. Dann aber leidet es ihn nicht mehr in den einsamen
Mauern. Gerade jetzt wird in deutschen Landen wieder zum Kreuzzuge gerüstet. Er schließt sich den Kreuzfahrern an. - Vielleicht ist er im Heiligen Lande gefallen. Kein Rabensteiner hat ihn je wieder
gesehen. Aber schon mancher Wanderer soll zu mitternächtlicher Stunde aus dem verlassenen, öde Rittersaal der altersgrauen Burg ein Poltern gehört haben, das ihm gruseln machte. Und immer dann, so besagt die
Legende wenn der Lichtschein des Vollmondes durch die große Astgabel auf die Stelle des Grabes trifft, könnten Glückskinder auch die weiße Frau" um die Mondscheinlinde wandeln sehen.
Und in den Zweigen der Linde singt der Wind seit Jahrhunderten das alte Lied von Liebe und Haß, von Glück und Tod.
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Der verwunschene Schatz in der Burg Rabenstein
Vor langen Jahren, als die Burgruine Rabenstein noch ein fester Rittersitz war, gehörte sie einmal einem Herrn von Carlowitz. Der war sehr klein und bucklig. Aber
reich war er. Bis nach Böhmen hinein gab es kaum einen Reicheren. Eine große Anzahl Dörfer gehörte ihm, mit all ihren Feldern, Wiesen, Wäldern und Teichen. Doch bei alle seinem Reichtume fühlte er sich tief
unglücklich. Denn alle Welt machte sich über seine Missgestalt lustig. Wohl hatte er in jungen Jahren reiten und fechten gelernt, aber seine Bewegungen warn ungeschickt und tölpisch geblieben, wie die eines Knaben.
So oft auch die Ritter der Umgebung Turniere und sonstige Feste abhielten: er ging gar nicht mehr hin, denn immer hatte man für ihn nur beißenden Spott bereit. Er unterhielt keinerlei Beziehungen mehr zu seinen
Standesgenossen. Auf der Burg Rabenstein gab es keine glänzenden Ritterfeste. Der Burgherr lebte mürrisch und verdrossen ein einsames Dasein. Nur selten einmal sprach ein Rittersmann vor, der des Landes unkundig
war. Aber kopfschüttelnd kehrte auch er sehr bald der ungastlichen Stätte den Rücken; denn das finstere verbissene Wesen des Besitzers fesselte niemanden. Und kam der Rabensteiner gar auf eine Burg in der
Nachbarschaft, in der Absicht, um die Hand des Burgfräuleins anzuhalten und sie zur Schlossherrin von Rabenstein zu machen: wie höhnisch wurde er da heimgeschickt! - Nicht einmal seine eigenen Knechte und Mägde
achteten ihn. Sie amten seinen Gang und seine Wutausbrüche nach und missachteten seine Befehle, wo sie nur konnten. Selbst seine Verwandten gaben sich nicht besondere Mühe, ihm zu verbergen, dass sie eigentlich nur
wegen seines Reichtums noch mit ihm Freundschaft hielten und seine Launen ertrugen. Die Jahre vergingen. Sein Leben blieb ohne liebe, weder Frau noch Kinder waren ihm vergönnt, er lebte in Einsamkeit.
Nur eine kindische Freude hatte der alternde Mann: Nachts, wenn der große Gutshof und auch die Burg in tiefer Ruhe lagen, da schlich er im
Vollmondscheine oder bei dem matten Lichte einer Talgkerze in den Rittersaal. Wie viele frohe Feste hatten seine Vorfahren hier abgehalten! Verwundert schauten sie jetzt von den hohen Wänden herab, aus den
Bilderrahmen heraus auf ihren entarteten Sprössling. Gespenstische Schatten huschten hin und her. Mit wachsbleichem Antlitz und furchtverzerrten Zügen schritt er der einen finsteren Ecke zu. Hier stand seine liebe
Truhe. Mühsam öffnete er das alte Schloss, knarrend hob sich langsam der schwere Deckel, und vor ihm lag die einzige Freude seines zwecklosen Lebens, die blanken, glitzernden Goldstücke. Wie freute er sich, wenn er
wieder ein paar neue Dukaten hineinlegen konnte. Hier saß er oft stundenlang, mit den knochigen Fingern in der glitzernden Masse wühlend. So auch in einer Herbstnacht. Der Wind heult in den Erkern und Ecken und
Nischen der Burg und in den hohen Bäumen ringsum. Der bedauernswerte Burgherr! Tagsüber muss er sich ärgern über seine Mitmenschen, und jetzt gönnen ihm die Geister der Nacht seine einzige Freude nicht. Das Knistern
und Rascheln will heute gar nicht aufhören, bald ist’s vor, bald hinter ihm. Er dreht sich um. Da, das Blut will ihm in den Adern erstarren vor ihm steht die Stammmutter des Geschlechts. Ernst und durchdringend, wie
sonst von der hohen Wand herab, blickt sie ihn an. Mit hohler Grabesstimme ruft sie ihm zu: Mache dich bereit zum Sterben! In drei Tagen schlägt deine letzte Stunde!" - Und die Vision ist verschwunden. Die
Ahnfrau blickt aus ihrem Goldrahmen herab wie immer. Zu ihren Füßen kauert, am ganzen Leibe zitternd, der letzte Spross ihres Geschlechts. Mühsam erhebt er sich. Langsam, zitternd schleppt er sich zu Bett, doch
schlafen kann er nicht. Nach Art der Geizigen quält ihn der Gedanke an sein Geld. Sterben und den ganzen Reichtum denen hinterlassen, die ihn immer nur verachtet haben? Nie und nimmer! Die verhassten Verwandten
solle nur die leere Truhe vorfinden! Noch ehe der Tag graut, hat er in dem unterirdischen Gange, der von der Burg wegführt, ein passendes Versteck gefunden. Die letzten Nächte, die er nach dem Ausspruche der Ahnfrau
noch zu leben hat, benutzt er dazu, den ganzen glänzenden Inhalt seiner Truhe dort zu vergraben. Ein Bannspruch vollendet sein Werk: Hier liege, du liebes Gold, bis ein anderer Carlowitz Besitzer dieser Burg ist,
der ausgewachsen ist wie ich. Nur der soll den reichen Schatz entdecken und heben. Am dritten Tage aber fanden die Rabensteiner Burgmannen ihren Herrn tot neben der leeren Truhe liegen.
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Der verwunschene Prinz auf dem Totenstein.
Vor langer, langer Zeit als selbst unsere Burg noch ein Neubau war, kam in einer stürmischen Nacht, zu mitternächtlicher Stunde ein einsamer, verirrter Wanderer die
Totensteinstrasse von Westen herauf.Auf dem Felsblock des Totensteins setzte er sich müde nieder.
Da trat ein kleines Männchen zu ihm, und sagte mit zarter Stimme“ Erschrick nicht! Dieser Augenblick kann das Glück deines Lebens sein.
ich bin ein verzauberter Sorbenprinz. Wenn du das erste lebende Wesen, das dir begegnet, küsst, so bin ich erlöst. Zum Dank sollst du dann alle Schätze erhalten, die ich dort in den Höhlen bewachen muss. Mit diesem
Schlüssel wirst du zum Gold gelangen“. Damit überreichte ihm der Zwerg einen Schlüssel und verschwand. Ehe sich der Wanderer noch von diesem Schreck erholen konnte, sah er eine riesengroße Eidechse auf sich
zukommen. Das Ungeheuer riss seinen Rachen auf, und seine rotglühenden Augen blickten ihn böse an. – Dieses Monster sollte er küssen? Auf keinem Fall!!! Eiskalt lief es ihm den Rücken hinunter. Weg, weg von diesem
schaurigen Ort, er rannte so schnell ihn seine müden Beine tragen konnten. Mit schlotternden Knien und am ganzen Leib zitternd kam er bei den ersten Häusern von Rabenstein an. Erst nach Stunden hatte sich der
Wanderer soweit erholt, das er von seinen Erlebnissen berichten konnte. Sofort machten sich einige Mutige auf den Weg zum Totenstein hinauf, doch den Zwerg suchten sie vergebens, nie wieder wurde er gesehen.
Und so oft auch Neugierige nach dem Schatz gesucht haben, nie haben sie etwas anderes gefunden, als das „trügerische Gold“ das Leuchtmoos, das sich in ihren geldgierigen Händen zu ganz gewöhnlicher Erde
verwandelt.
Als Heimat und Naturverbundene Menschen wissen wir heute das äußerst seltene Leuchtmoos als einen waren Schatz unserer Heimat zu schätzen und zu schützen. Damit es auch noch unsere Kinder und Enkel bewundern können wurden Schutzgitter an den Höhlen angebracht.
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Wilhelmine
Eine Geschichte um Liebe und Leid, Erzählt mit den poetischen Worten einer längst vergangenen Zeit
(Aus: Reiseerinnerungen von Friedr. De la Motte Fouqué und Caroline de la Motte Fouquè.II. Teil S. 106 ; vervollständigt von Dt.
Steinbrück 1920)
„Wie es in der Burg (Rabenstein) selbst ist, wie einst – die alten Böhmenritter hier hausten, was die gewaltigen Mauern erzählen, der
Blick von oben herab verrät, der schäumende Wasserfall unten im Gebüsch flüstert: Ein tiefsinnig Gedicht webt sich davon zusammen, und wollte ich nun verraten, was ich im Abendschatten links an dem Burgfenster sah,
wie darauf im Träume die Gestalt mir erschien, was sie mir entdeckte, wie sie, zu ewigem Jammer verdammt, den feurig jungen Ritter beweint, der von den Augen eines wildfremden, hier vorüberziehenden Fräuleins
bestrickt, die frühere Jugendverbindung zerriss, noch umherirrt, jene zu suchen, und nur alle Jahre einmal in die väterliche Halle zurückkehrt, an der Seite der sanften Leidensgefährtin sein verwildert gemüht zu
besänftigen, wollte ich das mit Farben, wie nur die Geisterwelt sie hat, hier malen, ich würde Bände füllen und das Anerhörte nicht wieder geben, wie ich es empfing ... das ich den Ritter damals (bei einem
Feuerwerk) sah. Er lehnte auf dem Söller. Ein Pilgermantel hing ihm über die Schultern, etwas wie eine Mönchskutte bedeckte Haar und Kopf, nichts als die brennenden Augen waren kenntlich. Er schlich späterhin durch
die Menge der Zuschauer hin. Vielleicht wähnte er, das fremde Fräulein hier zu finden.“
Gram und Sorge um den Geliebten nagten an Herz und Leben der sanften Wilhelmine. Zu spät kam beim Ritter die Reue. Als er von seinen
Irrfahrten wieder einmal heimkehrte war Sie entschlummert. – Ein berühmter Meister kam und hielt ihre Gestalt und die weichen Gesichtszüge, wie sie der Ritter in Erinnerung behalten hatte, im Steine fest. Auf der
Höhe gegenüber der Burg dem jetzigen Hoppberge, ließ er das Denkmal aufstellen.
Noch in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts waren dort Reste davon erhalten. Heute wächst ein Bäumchen an der Stelle, und der
Volksmund bezeichnet das lauschige Plätzchen immer noch als „Wilhelmine“.
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Ritter Haubold
Einmal war der Ritter Haubold von Wolkenburg in wichtiger Mission nach dem Schloss
Rabenstein bestellt worden. Die Rabensteiner Herren wollten mit ihm ein Bündnis gegen die Raubritter schließen, welche seit geraumer Zeit die Gegend unsicher machten. Als der Pakt besiegelt war machte sich Haubold
auf den Rückweg nach Wolkenburg. Doch die Raubritter mussten Wind von der Verabredung bekommen haben. Der Weg des Ritters, welcher allein ohne seine Lanzknechte unterwegs war, führte auf der uralten Salzstraße
durch den Kaufunger Forst. Dort lauerten ihn die Galgenvögel auf. Im Kampf konnte er einige der Gegner erledigen, doch der Übermacht war er nicht gewachsen. Er floh in Richtung der Mulde, versuchte verzweifelt sein
völlig erschöpftes Pferd zur höchsten Eile anzutreiben. Umsonst, jeder Weg zur Rettung schien abgeschnitten, die Brücke an der alten Muldenfurt war zu weit entfernt und auch ein zeitraubender Abstieg zum Muldenufer
wäre sein sicherer Tod gewesen. Den sicheren Tod vor Augen blitzte plötzlich ein verwegener Gedanke in ihm auf. Er riss sein Pferd herum und jagte in vollem Galopp dem steilen Felsenufer zu. Lebend sollten ihn seine
Feinde nicht bekommen. Ein letzter Sporendruck, und Pferd und Reiter sprangen in hohem Bogen in die gähnende Tiefe. Gerade noch vermochten die Verfolger ihre Pferde vor dem Abgrund zu zügeln. Da hörten sie aus dem
Tal den Aufprall des Pferdes im aufschäumenden Muldenwasser. Doch sie trauten ihren Augen kaum, mit letzter Kraft rettete sich der Verfolgte aus dem reißendem Fluss und war in Sicherheit. Seit diesem Tage wird der
Felsen gegenüber den Mühlengebäuden im Volksmund der »Hauboldfelsen« genannt.
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Die sorbischen Schätze am Totenstein
Nach der Niederlage der Hermunduren oder Duringe (531 bei Burgscheidungen) drängen in den entvölkerten Osten des ehemaligen Hermundurenlandes von der Elbe her die
Sorben (Wenden). Von Kamenitz oder Chamenitzin aus gingen die Sorben in den Bachtälern aufwärts, rodeten mit ihren steinernen Ärten den Wald und bauten dort ihre niedrigen unscheinbaren Hütten. Sie legten Felder,
Wiesen und Gärten an und bebauten sie mit Fleiß und Erfolg.
Dort, auf einer mächtigen Steinplatte, standen Tongefäße von verschiedener Form und Größe. Sie wurden an die Sonne gestellt, damit sie
trocknen und hart werden sollten. An den Zäunen und an Stangen hingen Tücher; denn die Sorben verstanden sich aufs Weben.
Der Totenstein aber war die geweihte Stätte der Sorben. Hier oben verehrten sie ihre Götter Bielebog und Ezernebog und verbrannten sie
ihre Toten. Priester und Opferdiener in langen Gewändern walteten hier ihres blutigen Amtes. Unten am Steine aber starrte das Volk erfurchstsvoll herüber, wenn gefangene Germanen oder harmlose Tiere den finsteren
Göttern geopfert wurden, oder sie umwandelten unter feierlichen Trauergesängen den Holzstoß, auf dem die Leiche eines Anverwandten verbrannt wurde. Ihre Asche übergab man tönernen Urnen, stellte sie in Gemeinschaft
anderer auf den Stein zum Gedächtnis für die Überlebenden.
Später wurden die Sorben in ihrem friedlichen Tun gestört. Germanen aus dem nahen Multentale brachen durch die dichten Wälder und suchten
die Sorben zu vertreiben oder sie ihrer Herrschaft zu unterwerfen. Hier am Totensteine, klirrten die Schlachtschwerter, gellten das Wutgeheul der Besiegten und die Jubelrufe der Germanen. Die verhassten Sorben
wurden unterworfen oder aus ihren Dörfern und Gauen vertrieben.
Germanische Blockhäuser und Kirchen entstanden. Seitdem ist der Totenstein verlassen, und auch jetzt kommen wanderlustige Menschen herauf,
die herrliche Aussicht zu genießen ... An die Sorben erinnert am Totenstein nur noch jener Goldglanz, der aus den dunklen Spalten der Gesteinshöhlen hervorleuchtet. Dieses zarte, grüngoldene Leuchten erzählt von
jenen unermesslichen Schätzen, die damals, vor Jahrhunderten, - Wohl als die Sorbenherrlichkeit ein Ende nahm, hierher verzaubert wurden, zugleich mit der schönen sorbischen Königstochter. Warum und von wem? Das
erzählt uns die Sage nicht. All die güldenen Kronen, die güldenen und silbernen Rüstungen, und die glänzenden Ketten und Armspangen harren dem erlössenden Wortes. Doch wenn unberufene, habgierige Hände nach dem
merkwürdigen, geheimnisvollen Gefukel fassen, so verwandelt es sich augenblicklich in Staub, und der Glanz ist verschwunden.
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Unterirdische Gänge
Wohl fast so alt wie Rabenstein selbst sind die
Sagen und Legenden über unterirdische Gänge, alte Stollen und darin vergrabene
Schätze. In
die Zeit der Klosterherrschaft zurück versetzt uns die Sage von dem unterirdischen Gange, der von der Burg Rabenstein nach dem Chemnitzer Bergkloster, dem späteren Schloss Chemnitz, führen soll. Diesen Gang haben
nach der Sage die Klosteräbte benutzt, wenn sie sich in Rabenstein von den Sorgen ihres Amtes erholen wollten, vor allem jener Abt Ortwin Schindelbach (gest. 1425), der - wie die Sage erzählt - mit der schönen
Rabensteiner Schäferstochter Elsbeth öfter ein Schäferstündchen
abhielt.
Ein zweiter Gang soll vom „Hohen Graben" auf dem Hoppberg abgehen, auch nach Schloss Chemnitz.
Ein dritter Gang führt der Sage nach von der Burg zum Totenstein hinauf, nach einigen Legenden sogar bis Kohren (bei Frohburg).
1905 ist man bei Arbeiten am Burgteich auf ein Gewölbe gestossen, das sehr wohl ein Stück unterirdischer Gang gewesen sein könnte
Leider sind damals die Untersuchungen nicht fortgesetzt worden. Auch bei den Grabungen der 50er Jahre wurden Gewölbe und Kellergänge im Bereich der ehem.. Unterburg freigelegt, ebenso bei der Anlage des Parkplatzes
in den 80er Jahren hinter der Burg. Sicherlich handelte es sich bei den meisten Gewölben um Keller und Verbindungsgänge längst abgetragener Gebäude, doch ist es nach wie vor nicht auszuschliessen das einige dieser
Gänge von der Burganlage weg führten. Bei dem Gang vom „Hohen Graben“ handelt, es sich ebenso wie bei den Höhlen am Totenstein sehr wahrscheinlich um Bergbaureststollen welche aufgegeben wurde, weil sich der Abbau
dort nicht lohnte. Daher soll nach einigen Deutungen auch der Name Totenstein – totes Gestein abgeleitet sein.
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Das Ungeheuer vom Rabensteiner Wald
Vor langer, langer Zeit als sich der Rabensteiner
Wald noch weit bis in das Chemnitztal erstreckte, lebte in ihm ein fürchterliches, wildes und grausames Ungeheuer. An der alten Straße nach Rabenstein, entlang des Pleißenbaches hatten sich in jener Zeit gerade
einige Sieder niedergelassen.
Ungefähr da, wo die Straße von der Handelsstraße welche von Leipzig über Chemnitz nach Prag führte abzweigt, kam das Ungeheuer manchmal
aus dem finsteren Wald. Dort wartete es auf harmlose Reisende und raubte sie aus. Doch damit nicht genug. Das grässliche Ungeheuer forderte seine Opfer auch noch dazu auf, ihm etwas zu erzählen. Wenn es die Wahrheit
hörte ließ es die Menschen frei. Wenn aber eine Lüge oder etwas Falsches vorkam, dann fraß es den Reisenden an Ort und Stelle. Denn das Ungeheuer war schlau und merkte sofort, wenn ihm jemand eine Lüge erzählte oder
wenn auch noch das kleinste Detail nicht stimmte. Da die Menschen oft falsche Dinge weitererzählten, ohne es zu wissen und zu merken, fielen dem Ungeheuer mit der Zeit immer mehr Reisende zum Opfer. Diese
Gefahr zog aber auch besondere Menschen an. Tapfere Ritter aus dem kultivierten Westen des Abendlandes kamen nach Rabenstein. Welche Heldengestalten! Manche waren über zwei Meter groß, ihre Pferde glichen eher
Elefanten, die eisernen Rüstungen blitzten grell im Sonnenlicht, die riesigen Schwerter mussten von drei Knappen getragen werden. Die Rabensteiner waren beeindruckt. - Aber letztlich scheiterte einer nach dem
anderen. So färbte sich der Pleißenbach rot vom Blute der stolzen Recken. Es begab sich schließlich, dass sich kein Mensch mehr auf die Straße nach Prag wagte. Die Leute gewöhnten sich auch daran. Als dann schon
fast keiner mehr daran dachte, dass es einmal eine Straße nach Prag gegeben hatte, da kam ein junger Ritter daher. Sein Name war Ruediger. Er stammte aus dem östlichen Land der drei Vögte. Besonders muskulös wirkte
er nicht. Ein Riese war er auch nicht, sein Schwert hatte er vergessen und eine Rüstung besaß er gar nicht.
Die Leute hatten Mitleid mit dem jungen Mann. Sie rieten ihm vom Kampfe ab. Er solle doch lieber wieder nach Hause reiten, zu seinem
Burgfräulein. Schließlich zeigten sie ihm die Reckengräber auf ihrem Friedhof. Doch alles Reden nützte nichts. Ritter Ruediger saß schon auf seinem treuen Pferd und ritt los. Man gab ihm wenigstens noch ein Schwert
mit, dass Erwin der Schmied in der Nacht gehärtet hatte. Kurz nach der alten Straßenkreuzung, erschien dann auch das Ungeheuer: »Na, lieber Ruediger«, sagte es, denn es wusste selbstverständlich bereits seinen
Namen, »erzähle mir doch mal etwas. Aber bleibe bei der Wahrheit!« - Ritter Rüdiger blickte so unschuldig, wie er nur konnte und sagte: »Gleich wirst Du mich fressen!« Schon wollte das Ungeheuer wie üblich seine
mächtige Pranke nach dem armen Ritter ausstrecken, da dämmerte es ihm, dass der Ritter dann ... ja die Wahrheit gesprochen hätte. - Unmöglich! War doch einer tatsächlich schlauer! Unerträglich! »Uhaaaahuuhaaauuuh« -
brüllte das Ungeheuer, und, - dann platzte es mit einem gewaltigen Knall, so laut, wie man ihn bis dahin noch nie gehört hatte.
Als alles vorbei war und keine Gefahr mehr drohte, da kamen die Siedler angerannt, um dem Ritter zu helfen. Als sie die Reste des
Ungeheuers sahen, brachen sie in großen Jubel aus. Sie feierten Ruediger als großen Helden und erzählten überall von seinen Taten.
Ihr neu gegründetes Dorf nannten sie von diesem Tage an “Ruedigersdorf”. Im Alltag sprachen sie jedoch den Namen immer nachlässiger aus:
Ruedgersdorf, Rühdchersdorf, Rührschdorf. Schließlich, als man wieder vornehm sprechen wollte, wurde daraus »Röhrsdorf«. So heißt es noch heute.
An jener Stelle wo die große Tat geschah steht heute eine Gaststätte, ihr Name „Zum Wildpark“ soll noch an das wilde Ungeheuer erinnern.
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Die Rache der Rabensteiner Leineweber
Viele
der Rabensteiner Leineweber hatten hübsche Töchter, aber einer von ihnen hatte eine ganz außergewöhnlich schöne und tugendhafte Tochter Sie war von solcher Schönheit, dass sie von vielen Verehrern umworben wurde.
Doch standhaft wehrte sie alle noch so verlockenden Angebote ab, denn sie hatte schon längst ihr Herz einem braven Burschen geschenkt. Einmal besuchte die Jungfer Verwandte in Röhrsdorf, in angeregter Unterhaltung
vergaßen sie die Zeit und es wurde später als sonst üblich. Als sie das Haus in Röhrsdorf verließ, dunkelte es bereits. Weil sie sich in der Dunkelheit fürchtete, und damit sich der Vater nicht über ihr Ausbleiben
ängstigte, eilte sie auf kürzestem Wege heim. Dieser führte auch am Rabensteiner Schafteich vorbei. Dort begegnete ihr der Schlossvogt. Schnell versuchte die Jungfer, nichts Gutes ahnend, an ihm vorbeizukommen. Doch
der Vogt, er war von großer dunkler Gestalt, verstellte ihr den Weg. So sehr sie auch bat und flehte, er zog sie an sich und versuchte sie seinem Willen gefügig zu machen. Sie wehrte sich mit all ihrer Kraft gegen
seine Umklammerungen. Es gelang ihr aber nicht, sich von ihm zu lösen. Schließlich berührten ihre Hände den Dolch des Schlossvogtes, den dieser am Gürtel trug. Mit dem Mut der Verzweiflung ergriff sie den Dolch und
stach blindlings auf den Wüstling ein, bis er von ihr abließ und zu Boden fiel. Seine Bewegungen wurden immer matter und bald lag er regungslos am Ufer des Teiches. Blut rann aus den tiefen Wunden und bildete eine
Lache. Das Mädchen erschrak fürchterlich, sie hatte vordem keiner Fliege etwas zuleide getan: und jetzt dieses Unglück. Was sollte sie tun? Sicher würde ihr niemand glauben. Das Gericht hätte bestimmt kein
Einsehen. Von solchen Gedanken verfolgt ertränkte sich das demütige Mädchen im Schafteich. Doch der ruchlose Schlossvogt war noch nicht tot. Er erwachte aus seiner Ohnmacht und schleppte sich zurück zur Burg.
Inzwischen hatten die Eltern des Mädchens nach ihrer Tochter gesucht. Allein sie fanden das Mädchen nur noch tot. Aber sie stießen auch auf eine Blutspur zum versperrten Schlosstor. Zu groß war der Schmerz des
Vaters und des Bräutigams, als dass sie sich mit dem Verlust des Mädchens zufrieden gegeben hätten. Mit Unterstützung der anderen Leineweber fanden sie bald heraus, wer der Übeltäter war und dass dieser noch lebte.
Gemeinsam wurde daraufhin beschlossen, dass er sein Verbrechen mit dem Leben zu bezahlen habe. Sodann schlugen sie ein Pergament mit dieser Ankündigung an das Schlosstor. Den grausamen Vogt ergriff daraufhin
eine unheimliche Furcht und er versuchte, sein Leben durch eine schnelle Flucht zu retten. Aber das nutzte ihm nichts. Die Leineweber entdeckten sehr bald seinen Aufenthaltsort in Thüringen und vollstreckten die
gemeinsam beschlossene Blutrache.
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Das Sühnekreuz
Die Herren auf Burg Rabenstein hatten in alten Zeiten das Recht, ihre Schafherden auf
die Wiesen der umliegenden Dörfer zu treiben zu lassen. Darüber waren die Bauer, ins besondere die Röhersdorfer sehr erbittert, konnten jedoch nichts dagegen unternehmen. Dies nutzten die Rabensteiner
Schäfer schamlos aus, sie waren hochmütig und überheblich. Oft trieben sie ihre Herden auch auf die angrenzenden Felder der Bauern und richteten dadurch großen Schaden an. Sie glaubten, dass ihnen nichts geschehen
könne, da sie einem so mächtigen Herren dienten. Als nun eines Tages wieder ein Schäfer seine Herde in die Felder der Bauern trieb, kam es zu einem heftigen Streit zwischen dem Schäfer und mehreren verbitterten
Bauern. Dabei wurde der Schäfer erschlagen. Zur Strafe und Sühne mussten die Bauern ein steinernes Kreuz am Tatort, einem Feldweg zwischen Röhersdorf und Rabenstein, setzen. Die Leute nennen es noch heute das
Schäferkreuz.
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Zitronen in kleinen Schweinen
Soll echt passiert sein ! In jener Zeit als Freddy noch hinterm Tresen der Wurzelschänke stand.
Ja, mal wieder hat uns jemand eine angeblich wahre Geschichte erzählt wir mögen sie auf Anhieb nicht so recht glauben, aber immerhin ist
sie sicher nicht ausgefallener, als so manches was an Stammtischen und Tresen erzählt wird.
Da soll doch an Freddys Stammtisch, ein völlig durchgeknallter Typ gesessen haben, der für ein Bier den Leuten etwas zeigen wollte, was
noch niemand je gesehen hätte. Bis hierher nichts Ungewöhnliches, denn bei Freddy hingen laufend Typen rum, die für ein kostenloses Bier die allerbescheuertesten Geschichten erzählten.
Dieser aber soll noch penetranter gewesen sein und so lange rumgenervt haben, bis er tatsächlich sein Bier kriegte. Daraufhin zog er ein
kleines, lustiges Männchen aus der Tasche seines Parkas. Das war 30 cm groß, zog artig seinen Hut und sagte mit dünnem Stimmchen zu den staunenden Gästen:
"Guten Abend. Ich heiße Johannes Mario Simmel und bin als Schriftsteller in Österreich ziemlich bekannt."
Die Gäste waren baff. So etwas hatte tatsächlich noch keiner von ihnen gesehen.
"Wo hasten deen her?" Fragte Steffen (Dicker Finger). "So een willsch ooh hamm."
"Da musst du hinterm Hexenhaus entlang gehen," sagte der Inhaber des Männekens. "Gleich links hinter dem Waldkackhaus, die
liegt eine alte, Kaffeekanne. Die muss noch von der alten Marlene stammen. Und wenn du an dieser alten Kaffeekanne reibst, dann erscheint dir das alte Moosmännchen vom Rabensteiner Wald, und das erfüllt dir jeden
Wunsch."
Natürlich „düste“ Steffen gleich los, fand hinter dem Kackhaus die alte Kaffeekanne rieb daran, und tatsächlich erschien ein uralter,
bärtiger, moosbewachsener Geist und fragte:
"Was begehrt ihr, Meister ?"
Steffen war total überrascht und stammelte nur:
"Was ich begehr? Wie wär' s n maa mit zehn Million in kleen Scheinen ?"
"No problema," sagte er Geist und –schwupp - diwupp - rannten um die Wurzelschänke, ohne Ende kleine Schweine rum und hatten
alle eine Zitronenscheibe im Maul.
"Das ist aber wirklich ein ganz bescheuerter Geist," meinte Steffen später an Freddy' s Theke. "Irgendwie ist der Typ wohl
schwerhörig."
"Klar ist der schwerhörig," sagte der Mann, der mit seinem kleinen Schriftsteller so viel Aufsehen erregt hatte. "'Klar ist
der schwerhörig. Und wie! Oder glaubst du im Ernst, ich hätte mir einen 30 Zentimeter großen Simmel gewünscht ?"
Ist doch wohl klar, dass wir am Wahrheitsgehalt dieser Geschichte zweifeln, so sind wir nach bekannt werden gleich selbst hinters Kackhaus
geeilt. Doch da war nirgendwo eine alte Kanne zu finden. Sicher ist sie inzwischen in die Grube gefallen und versunken. Nun wird ein Freiwilliger gesucht der sie da wieder heraus holt.
Interessenten melden sich auf dem Campingplatz, Taucherausrüstung wird gestellt!
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